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Nozizeptiv und/oder neuropathisch?

Das „Mixed Pain“-Konzept

Viele chronische Schmerzsyndrome sind durch ein Nebeneinander von nozizeptiven und neuropathischen Komponenten gekennzeichnet, und eine klare Zuordnung ist demnach nicht immer möglich (Mixed-Pain-Syndrom) (Baron und Binder 2004). Hierzu gehören z.B. viele Rückenschmerzsyndrome, bei denen eine chronische Erregung afferenter Nerven in Gelenken, Bändern und Muskeln (nozizeptive Komponente) mit einer Kompression und Schädigung der Nervenwurzeln durch Hyperostosen, Narben oder Bandscheibengewebe (neuropathische Komponente) kombiniert ist.

Ein anderes Beispiel stellt der Tumorschmerz dar, bei dem einerseits intakte Nozizeptoren durch Substanzen aus dem Tumor erregt werden und andererseits der Tumor selbst durch direkte Infiltration Nervengewebe schädigen kann. Insbesondere bei diesen Mischformen ist es zur Therapieplanung wichtig, den Anteil der neuropathischen Schmerzkomponente an den Gesamtschmerzen abzuschätzen.

Screening auf neuropathische Komponente

Um dem praktisch tätigen Arzt diese Einordnung zu erleichtern, wurde der painDETECT®-Screening-Fragebogen entwickelt. Hierbei beantwortet der Patient neun Fragen, die sich auf Schmerzqualitäten, -symptome und -charakteristika beziehen, die überwiegend bei neuropathischen Schmerzen vorkommen und nicht typisch für nozizeptive Schmerzen sind. Je höher der numerische Wert, mit dem der Patient die Fragen beantwortet, je größer also der Score ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuropathisches Schmerzsyndrom vorliegt oder dass eine wesentliche neuropathische Komponente bei einem Mixed-Pain-Syndrom vorhanden ist.

Somit wurde der Fragebogen mit dem Ziel konzipiert, neuropathische Anteile zu ermitteln. Er sucht dagegen nicht nach nozizeptiven Anteilen des Schmerzsyndroms. Ein hoher painDETECT®-Score schließt daher eine nozizeptive Komponente am Schmerzsyndrom nicht aus, sondern zeigt an, dass eine wesentliche neuropathische Komponente vorhanden ist.

Beispiel: Diabetes-Patient

Als Beispiel soll ein Patient mit einem länger bestehenden Diabetes mellitus dienen. Er leidet einerseits an einer schweren schmerzhaften Polyneuropathie (neuropathischer Schmerz), beklagt aber auch schmerzende Fußulzera (nozizeptiver Schmerz). Da der Patient viele Charakteristika eines neuropathischen Schmerzsyndroms erfüllt (Brenngefühl, Allodynie, Hyperalgesie etc.) wird der painDETECT®-Fragebogen naturgemäß einen hohen Score ergeben. Damit ist die Behandlung der eindeutig nachgewiesenen neuropathischen Schmerzkomponente klar gerechtfertigt, ebenfalls muss aber die nozizeptive Komponente (Fußulzera) mit geeigneten Therapieverfahren behandelt werden.

Validierung

Die Validierungsstudie des painDETECT®-Fragebogens wurde im Jahr 2006 abgeschlossen und publiziert (Freynhagen et al. 2006). Darüber hinaus wurden kürzlich in einer Studie die Trennschärfe und die Handhabbarkeit von fünf ähnlichen Fragebögen aus dem französischen und angloamerikanischen Sprachraum verglichen (Bennett et al. 2007). Als rein Patientenbasierter Fragebogen (keine Untersuchung durch den Arzt nötig) erreichte der painDETECT®-Fragebogen mit einer Sensitivität von 85 % und einer Spezifität von 80 % die besten Werte.

painDETECT®-Patientenfragebogen mit validierten Übersetzungen zum
Download

Weiterführende Informationen

Zu Pfizermed.de

Referenzen

  1. Baron R, Binder A. How neuropathic is sciatica? The mixed pain concept. Orthopäde 2004;33:568–75.

  2. Bennett MI, Attal N, Backonja MM, Baron R, Bouhassira D, Freynhagen R, Scholz J, Tölle TR, Wittchen HU, Jensen TS. Using screening tools to identify neuropathic pain. Pain 2007;127:199–203.

  3. Freynhagen R, Baron R, Gockel U, Tolle TR. painDETECT®: a new screening questionnaire to identify neuropathic components in patients with chronic back pain. Curr Med Res Opin 2006;22:1911–20.

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Zuletzt aktualisiert: 16.12.2011